KONZEPTION

Brücke-Land e.V. ist ein gemeinnütziger Verein zur Hilfe für psychisch beeinträchtigte Menschen. Wir bieten betroffenen Menschen Betreuung in voll- und teilstationären Wohngruppen in Groß-Rheide und Dannewerk.

Wir wollen psychisch Kranke dabei unterstützen, trotz ihrer krankheitsbedingten Einschränkungen am Leben der Gesellschaft teilzuhaben und die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

Diese einfach nachzuvollziehende Absicht zu realisieren erfordert eine schlüssige Vorstellung davon, wie dieses Ziel umzusetzen ist.

Grundlage dafür ist die Frage, was man unter den genannten Zielen versteht und inwieweit sie mit den gegebenen Mitteln und den Möglichkeiten der Betroffenen realisiert werden können. D.h., dass wir nicht einfach auf unreflektierte Art „irgendwie helfen“ und auch nicht nur systematisch, wie vom Kostenträgers gefordert, Maßnahme um Maßnahme umsetzen, sondern dies vor dem Hintergrund einer bestimmten Einstellung tun. Diese ist Ergebnis unserer bisherigen beruflichen Praxis und der daraus gezogenen Schlüsse. Grundsätzlich ist unser konzeptioneller Ansatz dadurch gekennzeichnet, dass die Beeinträchtigung oder Krankheit im Hintergrund des Interesses steht und soweit wie notwendig beachtet wird.  Zunächst ist dazu nicht nur von den Betreuern eine andere Sichtweise auf die Betreuten erforderlich, sondern auch die Betreuten müssen in einem langen Prozess ihre Einstellung ändern, die im allgemeinen dadurch bestimmt ist, dass sie sich über ihre Beeinträchtigung oder Krankheit definieren und in Analogie dazu mit ihrer Umwelt in Verbindung treten.

Zum zweiten ist ein Gleichgewicht zwischen den Anforderungen und Bedürfnissen aller am Eingliederungsprozess Beteiligten der Gesellschaft immer neu herzustellen. Konkret und praktisch heißt das, die Maßnahmen der Leistungsvereinbarung vorhalten, sie aber nicht unter allen Umständen in der vorgefundenen Form aufzudrängen, auf der Basis und mit den vorgefundenen Ressourcen zu arbeiten, dabei die Verantwortung bei den Betreuten belassen, Prozess orientiert zu arbeiten, ( d. h. nicht forcieren, nicht eingreifen), dabei aber immer die Mitwirkung einzufordern. Mitwirkung heißt, dass die Betreuer Strukturen und Maßnahmen anbieten, die aber erst und nur durch aktive Beteiligung der Betreuten realisierbar sind.

Ziel der Maßnahme ist nicht nur eine menschenwürdige Unterbringung, sondern auch ihre Förderung in der Weise, dass noch vorhandene Kompetenzen erhalten und möglichst weiterentwickelt werden und weitere persönliche Ressourcen erschlossen werden. Mindestens soll aber eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes vermieden werden. Gewährleistet wird dies u.a. durch den zur Verfügung gestellten Rahmen mit großzügigen und ansprechenden Gemeinschaftsräumen und Einzelzimmern, sowie Angebote zu individueller Lebensgestaltung. Für die Erfüllung der sozialtherapeutischen und, soweit nötig, pflegerischen Aufgaben steht ein Team von fachlich qualifizierten Mitarbeitern, sowohl aus dem medizinisch- pflegerischen, als auch dem sozialpädagogischen Bereich zur Verfügung. Die ambulante medizinische Versorgung erfolgt durch niedergelassene Psychiater und andere Ärzte. Im übrigen arbeitet die Einrichtung zum Wohl des betroffenen Personenkreises mit allen klinischen und sozialen Einrichtungen und Diensten zur Versorgung psychisch Kranker/ Behinderter in der Region zusammen. Mit dem zuständigen Fachkrankenhaus ist die Zusammenarbeit insofern zwingend vorgegeben, als die für eine solche Form der Unterbringung geeigneter Personen häufig von dort übernommen werden und um später in Fällen akuter Dekompensation die Vorgehensweise abzustimmen.

Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, die auf Grund der Chronifizierung ihrer Erkrankung immer wieder im Krankenhaus aufgenommen werden müssen, bzw. dort verbleiben. Der Grad ihrer Beeinträchtigung erlaubt es ihnen nicht, eine eigene Wohnung zu beziehen oder bei ihren Angehörigen zu wohnen und eine Beschäftigung aufzunehmen. Ihr fortdauerndes Verweilen in einer der medizinischen Versorgung dienenden Einrichtung ist überflüssig und für die davon betroffenen Menschen mit unnötigen Nachteilen verbunden.

Auf Grund der fachlichen Ausrichtung übernimmt der Brücke-Land e.V. aus diesem Personenkreis Menschen vorwiegend aus dem Raum Schleswig-Flensburg auf. Für Menschen, bei denen die pflegerische Betreuung im Vordergrund steht, sowie für Sucht- und Alkoholkranke und für Menschen mit akuter Selbstgefährdung und fremdgefährdendem  Verhalten sind unsere  Einrichtungen nicht geeignet.

Voraussetzung für die Aufnahme ist die Verständigungsmöglichkeit mit den Menschen über den Zweck und Ziel der Maßnahme und die grundsätzliche Bereitschaft die Angebote anzunehmen und dabei die Hilfe nicht nur passiv über sich ergehen zu lassen, sondern an der Gestaltung des Gebotenen mitzuwirken.

Kosten: Soweit die Kosten der Übergangsmaßnahme nicht aus eigenen Mitteln oder durch Dritte getragen werden können, ist für die Aufnahme die Kostenbewilligung des Sozialhilfeträgers erforderlich. Über die Bewilligung dieser Maßnahme entscheidet dieser Träger unter Umständen auch auf der Grundlage eines amtsärztlichen Befundes sowie eines Sozialberichtes.

Aus dem hier angesprochenen Personenkreis ist ersichtlich, dass Hilfe solange gegeben werden muss, wie sie benötigt wird. Sie wird im Allgemeinen eine Langzeitmaßnahme sein. Bei günstigem Verlauf kann sich durch schrittweise Remission die Verlegung in den Übergangsbereich mit dem Ziel der endgültigen Entlassung ergeben.

Unser Angebot setzt dort ein, wo ein Mensch mit Beeinträchtigungen nach ihrer/seiner Entlassung aus dem Bereich der medizinischen Versorgung aus verschiedenen Gründen nicht in ihr/ sein soziales Umfeld zurückkehren kann. Häufig haben sich, teilweise durch lange Aufenthaltsdauer im Krankenhaus Persönlichkeitsveränderungen eingestellt. Darüber hinaus fehlt es an sozialen Bezügen, die Voraussetzung für eine Wiedereingliederung wären.

Mit unserem Konzept der stationären Betreuung möchten wir nicht nur eine bedürfnisorientierte Unterbringung, anbieten, sondern in der Kombination Wohnen, Arbeiten und Freizeit unter der Betreuung erfahrener Mitarbeiter kognitive und soziale Orientierung geben und, durch die Krankheit aufgehobene Sinnzusammenhänge wieder-herstellen, damit wenigstens teilweise eine Wiederverfügung über die eigenen Lebensumstände erreicht wird. Je nach den individuellen Möglichkeiten geht es um:

  • Linderung der Krankheitsfolgen
  • die psychische Stabilisierung (Akzeptanz des Krankseins)
  • lernen, Konflikte mit sich selbst und anderen zu ertragen
  • Vermittlung von Fähigkeiten, um Folgen der Krankheit zu bewältigen
  • Training im persönlichen Lebensbereich (Haushalt, Kleidung, Sauberkeit, Geld usw.)
  • Abbau von Hospitalismus Artefakten, z. B. infolge von Unterforderung oder Überforderung

Ein gleichförmiges Leben ohne Zeitstruktur nivelliert Erleben und Verhalten und lässt die Persönlichkeit desintegrieren. Aber auch eine Tagesstruktur ohne sinnvolle, nützliche Beschäftigung lässt in jedem Menschen noch vorhandene Fähigkeiten verkümmern und führt zur Isolation. Eine mindestens täglich stundenweise Beschäftigung, zugeschnitten auf die individuellen Möglichkeiten unter Berücksichtigung von Dauer und Intensität halten wir für unabdingbar. Wir bieten dazu Tätigkeiten im Hause, im Garten, Es gibt ein Arbeitsprojekt für Holzbearbeitung und Handarbeiten verschiedener Art an. Eine remissionsfördernde Strukturierung der Zeit kann nicht nur die tägliche Beschäftigung, unterbrochen von Pausen, Essen und Schlafen umfassen, sondern muss neben dem von den Menschen selbst gezeigten Freizeitverhalten Höhepunkte aufzuweisen haben, die die tägliche Routine auflockern, dabei wollen wir die besonderen Vorlieben und Bedürfnisse der Menschen nicht überlagern oder ignorieren, sondern Gelegenheit geben, etwas anderes als den Alltag und damit Zeit als gegliedert zu erleben. Neben der gemeinsamen Gestaltung von Fest- und Geburtstagen bieten wir den Besuch von Veranstaltungen, Sport und Ausflüge an.